“Sie sind ja ein Experiment”, sagt ein Seminar- teilnehmer zu Nico Drimecker und schiebt dann noch augenzwinkernd hinterher: “Also nicht Sie als Person, sondern Ihr Job!” Drimecker grinst. Das mit dem Job stimmt: Er ist Journalist bei den Ruhr Nachrichten (RN), aber nicht irgendeiner. Die Leser kennen ihn wohl dadurch, dass er im August diesen Jahres einmal quer durchs Verbreitungsgebiet gewandert ist. Aber nicht aus Jux und Tollerei, sondern mit etwa 23 Kilogramm schwerem Marschgepäck, darin ein Notebook mit UMTS-Zugang, zwei Smartphones sowie eine Profi-Kamera. In diesen zwei Wochen fand sprichwörtlich ein Testlauf für seinen Job statt, den es vor ihm so noch nicht gab: der “Mobile Reporter”.
Der Mobile Reporter ist immer unterwegs. “Er fährt nicht erst raus, wenn was los ist”, erklärt Drimeckers Chef, Tobias Weckenbrock. Im Gegensatz zu den klassischen Lokal-Reportern des Medienhauses soll ein Mobiler Reporter auf vielen Kanälen erreichbar sein wie beispielsweise über Twitter. “Dabei soll eine direkte Kommunikation mit den Lesern stattfinden, sei es medial oder echt”, sagt Weckenbrock, der als Leiter des sogenannten Regio DO Desk der RN von Dortmund aus Drimeckers Einsätze plant und koordiniert. Erst kürzlich berichtete der Mobile Reporter vom Kinofest in Lünen.
Der Mobile Reporter beim Kinofest in Lünen (Video)
Wer mit einer solchen technischen Ausrüstung unterwegs ist wie der Mobile Reporter, soll dementsprechend crossmediale Inhalte liefern: Es mache nur Sinn, ihn zu Terminen zu schicken, bei denen man längere Geschichten und Bildmaterial erwarten könne, erklärt der ebenfalls anwesende Chefredakteur der RN, Dr. Wolfram Kiwit.
Der Mobile Reporter soll zwar ein Alleskönner sein, doch das Jobprofil hat auch Schwächen, räumt Kiwit ein: Ein Lokalreporter, der seit Jahren stets von seinem Ort aus berichtet, verfüge über mehr Detailwissen und Kontakte vor Ort als Drimecker, der an vielen Orten im Verbreitungsgebiet der Ruhr Nachrichten eingesetzt wird. “Andererseits hat er aber die Sicht von Außen”, sagt Kiwit.
Als “Paradebeispiel” für den Einsatz des Mobilen Reporters bezeichnet Regio DO Desk-Leiter Weckenbrock die groß angelegte Wanderung von Reporter Drimecker im August unter dem Motto “#NicoWandert”. Während dieser Zeit berichtete er crossmedial über lokale Geschichten wie der Übernachtung auf einer Burg und dem Treffen mit einem Traktorsammler, zu dem ihn zuvor ein RN-Leser via Twitter eingeladen hatte.
Außerdem drehte Drimecker Videos von seiner Wanderung und fragte die Leser, die seine Arbeit über Soziale Medien verfolgten, was sie ihm denn gegen seine geschwollenen Füße empfehlen könnten. “Die Aktion hat uns zwar wenig Nachrichtliches gebracht, aber dafür nette Geschichten und positive Reaktionen der Leser”, sagt Weckenbrock. “Es hat uns außerdem drei Wochen lang Material geliefert”, sagt er – und das im Sommerloch, einer ohnehin nachrichtenschwachen Zeit.
Der Mobile Reporter telefoniert mit seinem Chef (Video)
Seither wird Drimecker als Mobiler Reporter auch in der alltäglichen Berichterstattung eingesetzt. Meist werden seine Termine schon im Wochenverlauf im Vorraus geplant und zwar so, dass sie auch geographisch günstig beieinander liegen. Nach den Terminen ist es dann Drimeckers Aufgabe, in einer Lokalredaktion oder in Dortmund den Artikel zu schreiben und gedrehte Videos zu bearbeiten.
Auch auf Drimeckers Kollegen, die noch eher klassisch mit Stift und Papier zu einem Pressetermin gehen, werden künftig andere Anforderungen gestellt werden, ist sich RN-Chefredakteur Kiwit sicher: “Crossmediales Arbeiten wird für Reporter künftig selbstverständlicher werden.”
(Christian Spöcker)
[...] Artikel erschien fast identisch im Blog des Master-Seminars „Redaktionsmanagement“ des Instituts für Journalistik der TU Dortmund. Bewerten: Gefällt mir:LikeSei der Erste, dem [...]
Beachtenswerter Post.Habe einige gute Gedankenanstoesse gekriegt. Freue mich schon auf neue Posts.